
Die Schweiz gehört zu den Ländern, in denen die Strasse selbst das Ziel ist. Die Haarnadelkurve hinauf zum Furkapass. Die Abfahrt durch die Weinberge nach Lausanne. Die lange Kurve am Luganer See, wo die Sprache von Deutsch zu Italienisch wechselt und die Luft anders riecht.
Die Grand Tour of Switzerland ist eine offizielle Tourismusroute, die all das verbindet: 1.643 km durch vier Sprachregionen, vorbei an fünf Alpenpässen, entlang 41 Seen und durch eine der dichtesten Konzentrationen von UNESCO-Welterbestätten in ganz Europa. Schweiz Tourismus hat sie als geschlossene Schlaufe konzipiert – mit keinem falschen Startpunkt und keiner schlechten Saison, wenn du die Pässe richtig timst.
Sie ist auch einer der besten EV-Roadtrips weltweit.
Warum elektrisch auf dieser Route funktioniert
Die Physik spielt dir in die Hände. Alpine Serpentinen sind genau das Terrain, in dem Elektromotoren ihren Ruf verdienen – Drehmoment aus dem Stand, kein Warten darauf, dass ein Getriebe auf 2.000 Metern die richtige Übersetzung findet. Auf dem Weg nach unten holt die Rekuperation auf einem Pass wie der Furka oder dem Julier einen spürbaren Teil der Energie zurück, die du beim Aufstieg verbraucht hast. Du kommst unten oft mit mehr Reichweite an, als du erwartest.
Der zweite mentale Befreiungsschlag ist das Laden über Nacht im Hotel. Schweizer Hotels auf der Tourismusroute – besonders die historischen Berghotels, die der Grand Tour ihren Charakter geben – haben zunehmend Ladepunkte. Häufig zu moderaten Preisen oder im Zimmerpreis enthalten. Die Etappen zwischen den grossen Stopps liegen im Schnitt bei 50 bis 80 km. Das ist für jedes moderne BEV auch in der Höhe komfortabel, und es bedeutet: Du planst deinen Tag nicht um Ladesäulen herum. Du fährst die Route nach ihren eigenen Regeln.
Das Ergebnis ist ein Roadtrip, der sich elektrisch einfacher anfühlt als mit Verbrenner – nicht komplizierter.
Die Route im Überblick
Die Grand Tour of Switzerland ist eine Schlaufe – Schweiz Tourismus publiziert sie ab Zürich, aber jede grössere Stadt funktioniert als Einstiegspunkt. Die komplette Runde umfasst:
- Nordosten (Deutschschweiz): Zürich → Schaffhausen (Rheinfall, Europas grösster Wasserfall nach Volumen) → Stein am Rhein → Appenzell
- Südosten (Graubünden): Chur, die älteste Stadt der Schweiz → St. Moritz über den Julierpass
- Süden (Tessin): Bellinzona (drei UNESCO-Burgen) → Locarno → Lugano
- Zentralalpen: Andermatt, Drehkreuz von vier Alpenpässen → Täsch für das Matterhorn (Zermatt selbst ist autofrei; parken in Täsch)
- Westen (Romandie): Montreux → Lausanne → Neuenburg
- Mittelland: Gruyères → Interlaken → Bern → Luzern → zurück nach Zürich
Die Schlaufe ist lang genug, dass die meisten Reisenden sie in zwei Hälften teilen oder sich auf eine Region konzentrieren. Wir haben den kompletten Kreis als einzelne Fernweh-Reise angelegt – GPX-Datei unten zum Download – damit du sie laden, an deinen Zeitplan anpassen und unterwegs Stopps ergänzen kannst.
Stopps, an denen du dir Zeit lassen solltest
Schaffhausen und der Rheinfall. Der Wasserfall ist aus der Nähe wirklich beeindruckend – Bootstouren bringen dich auf wenige Meter an die Hauptkante heran. Die Altstadt von Schaffhausen ist eine der besterhaltenen des Landes und wird gegenüber bekannteren Namen oft übersehen.
Appenzell. Maximal ein Halbtages-Stopp, aber die Architektur und die hügelige Landschaft auf dem Weg Richtung Chur lohnen den Umweg vom Rheintal.
Der Julierpass (Chur → St. Moritz). Eine der fahrerischen Höhepunkte der gesamten Tour. Der Pass ist ganzjährig offen, was ihn zuverlässiger macht als Alternativen wie den Albula. Die Abfahrt ins Engadin ist eine dieser Strassen, bei denen man am liebsten umdreht und sie nochmals fährt.
Bellinzona. Wird im Drang nach Lugano oft umfahren, doch die drei UNESCO-Burgen sind aussergewöhnlich und die Altstadt fühlt sich italienisch an. Mindestens einen Mittagsstopp wert.
Andermatt. Der Ort liegt am Schnittpunkt von Furka, Gotthard, Susten und Oberalp. Jede Kombination dieser Strassen ist die Zeit wert. Der Furkapass – der aus dem Bond-Film – ist etwa von Juni bis Oktober offen und gehört zu den dramatischsten Strassen Europas.
Täsch / Zermatt. Zermatt ist für Verbrenner gesperrt, Elektrofahrzeuge sind aber mit Hotel-Genehmigung zugelassen. Wenn du übernachtest, kläre das vor der Anreise mit dem Hotel – mit Bewilligung kannst du elektrisch ins Dorf fahren, statt in Täsch zu parken und die Zahnradbahn zu nehmen.
Gruyères. Das mittelalterliche Hügeldorf hält, was die Bilder versprechen. Die Käserei darunter ist die Touristenschlange wert. Plane es zwischen Montreux und Interlaken ein.
Ein paar Orte, die in den meisten Guides fehlen
Die Taubenlochschlucht bei Biel/Bienne, ein etwa 45-minütiger Spaziergang durch eine spektakuläre Klamm. Valangin, ein kleines Burgdorf direkt vor Neuenburg. Unterseen, die ruhigere ältere Schwester von Interlaken auf der anderen Flussseite, von Tagesgästen meistens komplett übersehen. Winterthurs Steinberggasse, eine sehr gut erhaltene historische Gasse, die einen kurzen Spaziergang lohnt, falls du auf der Strecke Zürich–Schaffhausen durchfährst.
Die Tour planen: zwei Wege
Komplette Schlaufe – 12 Tage, ~1.400 km
Die ganze Grand Tour als zusammenhängende Reise. Zwölf Tage sind angenehm; zehn machbar, wenn du Frühaufsteher bist und einige Etappen als Durchfahrt nimmst. Die volle Fernweh-Reise (20 Stopps) siehst du unten.


Fokus Westschweiz – 5 bis 6 Tage
Wenn du weniger Zeit hast: Der Westbogen ist der abwechslungsreichste Abschnitt – Seenlandschaft, frankophone Kultur und zwei der schönsten Bergauffahrten (Andermatt aus dem Wallis und Gruyères ins Berner Oberland). Eine fokussierte West-Tour könnte so laufen:
Bern → Thun / Thunersee → Neuenburg → Lausanne → Montreux → Verbier → Andermatt → Interlaken → zurück nach Bern
Etwa 550 km, fünf Tage ohne Hetze. Bern–Thun sind 30 km. Thun–Neuenburg über den Jurasüdfuss läuft entlang einer Weinstrasse mit Seeblick fast die ganze Etappe. Lausanne und Montreux sind ein Paar – das Olympische Museum in Lausanne, die Freddie-Mercury-Statue und das Schloss Chillon in Montreux. Der Aufstieg nach Verbier ist optional, aber empfehlenswert, wenn du eine Übernachtung im Bergdorf möchtest.
Nordosten und Zentrum – 4 bis 5 Tage
Das deutschsprachige Kernland plus die grossen Alpenpässe:
Zürich → Schaffhausen → Stein am Rhein → Appenzell → Chur → St. Moritz → Andermatt → Luzern → Zürich
Rund 500 km. Der Julierpass (Chur–St. Moritz) und welche Pässe du in Andermatt auch immer kombinierst, sind die fahrerischen Highlights. Luzern am Schluss ist die natürliche Beruhigung nach den Bergpassagen.
Praktische Checkliste vor der Abfahrt
Schweizer Autobahnvignette. Auf Schweizer Autobahnen Pflicht – eine Jahresvignette (CHF 40) bekommst du am Grenzübergang, an Tankstellen und an Postschaltern. Eine Tagesvignette gibt es nicht; kauf sie, sobald du irgendeine Autobahn nutzen willst, was die Grand Tour ausgiebig tut.
Saisonalität der Pässe. Furka, Susten und Oberalp öffnen üblicherweise Ende Mai und schliessen je nach Schneefall im Oktober oder November. Julier und Gotthard (Tunnel) sind ganzjährig befahrbar. viasuisse.ch zeigt den aktuellen Status der Pässe in Echtzeit.
Hotelladen. Sprich vor der Anreise mit deiner Unterkunft über Lademöglichkeiten. Viele Schweizer Berghotels haben Ladepunkte ergänzt; Schnelllader sind seltener. Plane Übernachtungs-Topups als Hauptstrategie und behandle öffentliche Schnelllader als Backup statt als Routine.
Zermatt-Bewilligung. Wenn du elektrisch nach Zermatt fahren willst statt in Täsch zu parken, melde dich vor der Anreise beim Hotel – Bewilligungen werden über die Unterkunft organisiert und müssen vor Erreichen des Tals bestätigt sein.
Bargeld und Karten. In der Schweiz gilt der Schweizer Franken, nicht der Euro. Karten werden überall akzeptiert, aber etwas CHF-Bargeld ist nützlich für Maut, Parkautomaten und kleine Bergläden.
Download und Planung
Wir haben die komplette E-Grand Tour Schweiz als Fernweh-Reise gemappt – 20 Stopps, 19 Etappen, alle wichtigen Wegpunkte durch die Alpen. Lade die GPX-Datei herunter, öffne sie in Fernweh, und passe die Route an deinen Zeitplan an, ergänze oder entferne Stopps und bekomme Fahrzeitschätzungen für jede Etappe.
E-Grand Tour Schweiz GPX herunterladen
Fernweh öffnen, Datei importieren – und die ganze Schlaufe erscheint als bearbeitbare Reise. Auf eine Woche kürzen, in zwei Hälften teilen oder komplett fahren – die Route gehört dir.
Routenfakten von Schweiz Tourismus zur Grand Tour. Die Fernweh-Distanz (1.433 km, 20 Stopps) bezieht sich auf die hier gemappte Schlaufe; die offizielle Grand Tour of Switzerland misst 1.643 km und enthält zusätzliche signalisierte Abstecher. Auto Motor und Sport hat die E-Grand Tour 2026 begleitet – die erste grössere Auto-Publikation, die sie speziell für E-Fahrer kartiert hat.